Timmy in Deutschland - Wer den Wal hat, hat die Qual
Veröffentlicht von Gordina@brightbooks.de in Gesellschaft · 11 Juni 2026
Bild: Netzreste am Strand von Juist. Aus einigen habe ich vor Jahren mit Kumihimo Armbänder hergestellt.
Deutsch: der Wal, Englisch: generell he oder it, Spanisch: la ballena, Französich: la baleine, Italienisch: la balena
Anfang März taucht überraschend ein Buckelwal vor der deutschen Ostseeküste auf, zunächst in Wismar, später am Timmendorfer Strand, was ihm den Namen "Timmy" eintrug. Fachleute vom Ozeanmuseum Deutschland, Vertreter des Meeresmuseums Strahlsund, das zuständige Veterinäramt u.a. beeilten sich, diesen Wal für "unrettbar" und "sterbenskrank" zu erklären. Bald schon wurden Pläne für die Zeit nach dem Ableben des Wals geschmiedet. Aus dieser Ansicht heraus kam auch die Falschaussage, dass sich Wale flache Gewässer "zum Sterben" aussuchen würden. Der folgende Artikel vom National Geographic räumt mit dieser Wahrnehmung auf:
https://www.geo.de/natur/tierwelt/wissen-wale--dass-sie-sterben--37277710.html?shem=rimspwouoe,
https://www.geo.de/natur/tierwelt/wissen-wale--dass-sie-sterben--37277710.html?shem=rimspwouoe,
In ihren Einschätzungen folgten die deutschen Experten den üblichen Vorgehensweisen des sogenannten "Strandungskartells", ein Begriff der von Stranded No More geprägt wurde. Stranded No More ist eine weltweit operierende Organisation, die sich für Wale und Delphine einsetzt und durchsetzen möchte, dass Wale und Delphine ggfls. in Auffangstationen kommen bzw. tierärztliche Hilfe erhalten und dann wieder freigelassen werden. Das "Strandungskartell" definieren sie als Organisationen und Behörden mit Fachleuten in verschiedenen Ländern weltweit, die gestrandeten Walen und Delphinen grundsätzlich nicht helfen, sondern alle, ungeachtet ihres Alters oder Zustands, entweder sich selbst überlassen oder sofort gezielt töten.
Wie wir erfahren haben, gehört Dänemark dazu, da sie gestrandeten Walen grundsätzlich nicht helfen und auch nicht rechtzeitig aus der Ostsee herausleiten. Sie setzen sich ebenfalls nicht dafür ein, Missstände zu beseitigen: u.a. Nahrungsmangel durch Überfischung, Tod durch Stell- und Geisternetze, Müll im Meer, Lärm, der die Kommunikation von Walen untereinander verhindert, Tod und Verletzungen duch die Schifffahrt.
Timmy - Buckli - Hope
Ihre Rechnung hatten die deutschen Experten allerdings ohne den tapferen Timmy gemacht, der überhaupt nicht daran dachte, zu verenden. Sobald der Wasserstand es zuließ, irrte er munter wieder los, so dass ganz Deutschland rätselte, wo man ihn am nächsten Morgen wieder finden würde und ob überhaupt. Der Ostseebereich, in den Timmy geraten war, ist allerdings flach und mit Sandbänken durchsetzt. Zu flach für einen Buckelwal. So war es nur folgerichtig, dass Timmy erneut auf einer Sandbank festkommen würde, jedes Mal stärker entkräftet.
Die Entscheidung stand fest. Man würde Timmy sich selbst überlassen. Nach mehreren Strandungen, zuletzt auf der Insel Poel, sollten jegliche Rettungsversuche eingestellt werden. Allein, Timmy wollte immer noch nicht sterben. Er lag auf der Sandbank und versuchte auch dort, wieder wegzukommen. Schaulustige nebst internationalen Journalisten sammelten sich am Ufer. In der Öffentlichkeit machte sich anlässlich der unterlassenen Hilfeleistung für den Wal Empörung breit. Die Nachrichten über Timmy verdrängten, zumindest in Deutschland, viele andere Ereignisse in der Welt.
In den sozialen Netzwerken begannen aufgebrachte Nutzer, sich gegenseitig, das Meeresmuseum, die Amtsveterinärin und Minister Backhaus zu beschimpfen. Es hagelte Anzeigen gegen alle Beteiligten, die dem Wal nicht helfen wollten. Mitte April hing der Wal immer noch fest - und lebte.
Minister Backhaus hätte kein Geld zur Verfügung gehabt, um einen Rettungsversuch zu unternehmen. Ihm waren die Hände gebunden. Mitte April aber meldeten sich die Unternehmerin Karin Walter-Mommert und MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz und wollten zunächst € 50.000 für eine Rettung bereit stellen. Der Minister änderte seine Meinung und "duldete" nun eine Versorgung und Rettung des Buckelwals wobei selbst kleinste Hilfeleistungen jedes Mal aufwändig beantragt werden mussten, was zu weiteren Verzögerungen führte. Die neuen hinzugekommenen Fachleute stellen fest, dass der Zustand des Wals gar nicht so schlecht ist und sich bessert.
Gleichzeitig hatte das Rettungsteam mit erheblichen Hindernissen zu kämpfen. Die erste Pressesprecherin, Christiane Freifrau von Gregory, zog sich zeitweilig aus dem Team zurück. Sie wurde von der Hamburger Juristin und Anwältin Constanze von der Meden ersetzt. Am 20. April erlitt die leitende Tierärztin der Rettungsinitiative und Gründerin des Robbenzentrums Föhr, Janine Bahr-van-Gemmert, einen lebensbedrohlichen medizinischen Notfall und wurde per Hubschrauber in eine Universitätsklinik geflogen.
Es folgte Dr. Tönnies aus Hattersheim, die für die umfänglichen Formalitäten und Anträge verantwortlich sein sollte. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann stand für den weiteren Verlauf der Rettung aufgrund eines anderen anstehenden Projekts nicht mehr zur Verfügung. Unter anderem hatten einige Nutzer im Netz ihm Selbstdarstellung vorgeworfen.
Am Freitag, den 17. April stieß die amerikanische Wal-Expertin und Tierärtin Dr. Jenna Wallace aus Hawai zum Team dazu und reiste bereits am Dienstag, den 21. April wieder ab. Unter anderem hatte die Juristin des Teams, von der Meden, sie am Montag, den 20. April dahingehend belehrt, dass sie und das gesamte für die Rettung verantwortliche Team für Fehler gerichtlich haftbar gemacht werden könnten. Gleichzeitig hatte sich Dr. Wallace beklagt, dass einige Team-Angehörige ("Walflüsterer" Sergio Bambaren und Danny Hilse (Danny Firstclass)) sie als Autorität nicht akzeptiert und sich nicht an ihre Anweisungen gehalten hätten.
Daher beschränkte sich Dr. Wallace von ihrer Heimat aus auf Kommentare auf Facebook und warnte u.a. vor dem Free Willy Team/ Jeffrey Foster, das am 23. April übernahm, u.a. weil der Schwertwal Tokitae (Toki / Lolita) im August 2023, kurz vor seiner geplanten Auswilderung, im Miami Seaquarium verstarb. Zuvor hatte sie selbst dort als Tierärztin gearbeitet und Missstände aufgedeckt.
Das Free-Willy-Team war an der Auswilderung des Orcas Keiko beteiligt gewesen, der durch den Film "Free Willy" bekannt wurde. Allerdings hatte der Orca nach seiner Freilassung nur noch 17 Monate gelebt und konnte nie in eine wilde Orca-Gruppe integriert werden. Stattdessen suchte er die Nähe von Menschen. Er starb an Lungenentzündung, vermutlich aufgrund eines geschwächten Immunsystems.
Das Team bestand aus Jeffrey Foster, Forschungsleiter der Keiko-Mission, mit jahrzehntelanger Erfahrung mit Meeressäugern. Bereits als Jugendlicher fing er Wale und Orcas für Freizeitparks.
Michael Partica, Experte für das Verhalten von Walen und Delfinen
Kyra Wadsworth, professionelle Tierpflegerin mit Fokus auf der praktischen Pflege von gestrandeten oder in Not geratenen Meeressäugern.
Charles Vinick, Koordinator, Leiter des Whale Sanctuary Project und ehemaliger Mitstreiter des Meeresforschers Jacques Cousteau
Darüber hinaus musste ein Transportmittel beschafft und umgebaut werden. Die Rettungsinitiative plant einen Transport mindestens in die Nordsee, besser noch in den Atlantik, wo man eine Gruppe Buckelwale ausfindig gemacht hatte. Die Kosten für die Rettung sprengen bereit jetzt jeglichen Rahmen und enden bei 1,2 Millionen Euro. Am 28. April schwimmt Timmy endlich, unter großem Jubel, selbständig in die bereitgestellte Barge, nachdem Helfer eine Rinne zur Fahrrinne ausgebaggert und den Wal mit um den Körper gelegten Feuerwehrschläuchen von der Sandbank und durch das seichte Wasser gezogen hatten. Der Transport kann losgehen. Am 21. April verkündet Backhaus, dass es sich bei dem Wal Timmy "amtlich" um einen Walbullen handelte.
In den sozialen Netzwerken waren sich die Nutzer wiederum uneinig und beschimpften sich gegenseitig. Während einige den Verlauf feiern und erleichtert waren, sprachen andere von Tierquälerei. Schließlich sei der Wal ja "zum Sterben" zu den Sandbänken gekommen und gleich fünfmal gestrandet, wenn das kein Zeichen ist. Er habe nicht versucht, bei höherem Wasserstand wieder weiterzuschwimmen, sondern wollte vielmehr seinen "Rettern" entkommen, um irgendwo in Ruhe und unbehelligt sterben zu können. Wiederum hagelte es Anzeigen, diesmal von denjenigen, die gegen die Rettung waren, obwohl sie fachlich weder die Sachlage noch den Zustand oder das Alter des Wales beurteilen konnten und auch nicht nicht betroffen waren. Bestärkt wurden sie von Experten des Strandungskartells u.a. aus den USA, Australien und Dänemark, die dem Wal, wiederum aus der Ferne und ohne Kenntnis der Sachlage und des Umfelds, Lebensunfähigkeit bescheinigen. Kritisiert wurden spätestens jetzt auch die hohen Kosten und, als Falschaussage, die Verschwendung von "Steuergeldern".
Am 1. Mai kam die Barge mit zwei Booten in der stürmischen Nordsee an. Timmy wurde dabei gegen die Wände der Barge gestoßen und verletzte sich. Die Stimmung an Bord war alles andere als harmonisch. Dr. Tönnies, obgleich nicht der Meuterei bezichtigt, beklagte später, dass ein Kapitän ihr sogar mit "Arrest" gedroht habe, da sie angeblich andauernd in den sozialen Netzwerken postete. Dabei erklärte sie, überhaupt keine Verbindung gehabt zu haben. Ganz abgesehen davon, das ist meine Meinung, dass es den Kapitän nichts angeht, ob die Initiative entscheidet, etwas an die Öffentlichkeit weiterzugeben oder ob man gefühlt alle zehn Minuten mit den Geldgebern telefoniert. Seine Aufgabe war die Erfüllung der Transportvereinbarung und die Sicherheit seiner Gäste. Auch die andere Tierärztin, Dr. Herrschaft, eigentlich Pferdetierärztin, die sich über das tiermedizinische Netzwerk zur Verfügung gestellt hatte, habe sie nicht unterstützt, so Dr. Tönnies.
Die Ereignisse spitzten sich zu, als die Kapitäne, trotz nunmehr beruhigter See, die Anwesenheit der beiden weisungsbefugten, verantwortlichen Tierärztinnen und anderen Personals der Rettungsinitiative auf der Barge verhinderten und auch Jeff Forster nicht mehr dabei sein und nicht filmen durfte. Die Schiffscrew hatte ihm nach eigener Aussage gedroht, gegebenenfalls sein Handy ins Meer zu werfen. Es steht im Raum und wird Gegenstand einer gerichtlichen Verhandlung sein, dass die Kapitäne und die Schiffscrew, entgegen vorheriger Absprachen, den Wal am 2. Mai mit einem Boot und Schlauch oder Tau an der Fluke aus der Barge gezogen und in einer vielbefahrenden Schiffsstraße freigesetzt haben. Bilder des in der See schwimmenden Wals wurden vom Privat-Nachrichtenunternehmen News 5 in den sozialen Netzwerken gepostet. Jeff Foster bestätigt als Zeuge, dass der Wal über sämtliche Sandsäcke hinweg hinausgezerrt worden sei.
Diese Art und der Ort der Freilassung wird nunmehr von verschiedenen Experten weltweit heftig kritisiert, da es dadurch zu irreparablen Schäden in Form von Abrissen, Quetschungen und Knochenbrüchen kommen kann, welche für den Wal das Todesurteil bedeuten. Unter anderem verurteilen Prof. Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Wissenschaftler der internationalen Walfangkommission, der Walforscher Fabian Ritter und der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann u.a. diese Vorgehensweise scharf. Am 13. Juni erarbeitet Stranded No More eine interaktive Karte gemäß der Timmy auf seinem Weg nach Anholt, Dänemark, wo er tot angespült wurde, auf 1.706 Schiffe gestoßen ist.
Der Disput um den Tracker
Der Wal war jetzt frei. Der Tracker lieferte tagelang Tauchtiefen und regelmäßiges Auftauchen, was über Pings gesendet wurde. Standorte konnten nicht empfangen werden. Das gab Experten vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern Anlass zur Behauptung, die Initiative würde die Daten absichtlich unter Verschluss halten. Oder vielleicht gab es gar keine Daten? Keine Signale!
Und überhaupt, was soll das heißen, "Vitalwerte"? fragten sich die Nutzer sozialer Netzwerke. Eine US-Meeresexpertin verstieg sich sogar dahingehend, zu behaupten, die Initiative würde lügen. Es gebe keine Tracker, die Vitalwerte sendeten. An einen möglichen einfachen Übersetzungsfehler einer medizinisch unkundigen Person hatte niemand gedacht. "Lebenszeichen", signs of life (engl.), signos/señales die vida (span.) ist ein allgemeiner Begriff, während der Begriff "Vitalwerte" oder "Vitalzeichen" (vital signs engl., signos vitales span.) im Englischen und Deutschen ein medizinischer Ausdruck ist, welcher die Herzfrequenz, den Blutdruck, die Atemfrequenz, Körpertemperatur und Sauerstoffsättigung im Blut umfasst. Sendet der Tracker also Herztöne? Atemfrequenzen?
Ein Nutzer klärte die Gemeinschaft über die Funktion und Leistungen von Trackern für Wale auf, gefolgt von Stranded No More, die eine Illustration erstellten. Der Tracker liefert Tauchtiefen, Auftauchzeiten und Wassertemperaturen. Diese werden in ein "Ping" gepackt und an den Satelliten gesendet. Um einen Standort errechnen zu können, müsste der Satellit den Wal mehrfach überfliegen. Dazu müsste der Wal sich mehrere Minuten an der Oberfläche aufhalten, was Wale nur tun, wenn sie pausieren oder fressen. Beides tat Timmy auf seiner Reise nicht! Zudem stellte sich später heraus, dass der Tracker bei der eigenmächtigen Entladung des Wals nicht korrekt initialisiert war.
Fake News überall
Nun hatte die Gemeinschaft dankenswerterweise erfahren, wie so ein Waltracker funktioniert und was mit "Vitalwerten" gemeint war. Alle? Nein, ganz im Gegenteil! Nur einige wenige!
Kein Signal! berichteten die gestandenen Journalisten von ARD und ZDF. Seht ihr, der Wal ist tot, fühlten sich Experten des Strandungskartells weltweit unverholen bestätigt, die dubiose Entladung in einer viel befahrenen Schiffahrtsstraße opportun ignorierend. Die Welt nannte die Pings "Pins" und gefühlt hunderte Nutzer und Podcaster fühlten sich veranlasst, die Frage nach den "Vitalwerten" zu stellen.
Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Sender, Zeitungen und selbsterklärte weltweite Nachrichtenseiten es gibt und natürlich einzelne Nutzer, die absichtlich oder aus Unwissen Falschinformationen verbreiten. US-Seiten konnten das auch gut. Eine US-Nutzerin behauptete beispielsweise, die amerikanische Tierärztin Dr. Wallace sei bei der Freilassung des Wals auf einem Boot dabei gewesen. Einige Seiten erlaubten nicht mal Kommentare, um gegenzusteuern. Falschnachrichten lassen sich nur sehr schwer wieder einfangen, schon gar nicht, wenn sie von großen Sendern verbreitet werden. Schon bald triefte das Netz vor Falschdarstellungen und alternativen Wahrheiten. Zahlreiche Nutzer machten sich auf die Suche nach "der Wahrheit", nach dem Motto "alle lügen" und "ich glaube überhaupt nichts mehr", ohne zu merken, dass sie vielleicht einer Seite mit Fake News folgen, die Pings des Trackers meldeten, obwohl der Wal schon längst tot vor Anholt lag. Alles wurde hinterfragt, was im Grunde nicht schlecht ist, aber dann wurde sich auf Quellen berufen, die nicht seriös waren und Sachverhalte nicht korrekt darstellten.
Die Pings brachen nach einigen Tagen ab, und am 14. Mai wurde der tote Timmy for Anholt/Dänemark entdeckt. Zu dem Zeitpunkt lag er auf dem Rücken, da die Aufgasung des Bauches bereits leicht begonnen hatte.
Eine Nutzerin merkte an, sie sei keine Expertin für Wale, aber sie habe sich mit den Geschlechtern befasst und sei der Ansicht, der Wal vor Anholt sei weiblich. Kurz darauf meldeten auch andere Seiten im Internet eine Walkuh vor Anholt.
Timmie/Hope/Timope/Tina/Theodora
Es stellt sich die Frage, ob die Schiffscrew den Wal auch so behandelt hätten, hätten sie gewusst, dass es sich in Wirklichkeit um einen ganz jungen weiblichen Wal handelte, also praktisch ein "Mädel", das voraussichtlich noch nicht geschlechtsreif war. Ein Auslesen des Trackers bestätigt letztendlich, dass der Wal wieder zurück in die Ostsee geschwommen ist und die vermutete "richtige" Richtung aufgrund von Tauchtiefen ebenfalls nicht stimmte.
Stranded No More bestätigte, nach Prüfung, die Identität des Wals, ebenso Robert Marc Lehmann. Dennoch wurde dies von vielen Timmy-Anhängern nicht akzeptiert, die den Irrtum hinsichlich des Geschlechts des Wales nicht hinnahmen und Zweifel hinsichtlich des Trackers streuten, wie er geborgen wurde, wer wann was gesagt oder getan hatte oder wie die Strömung war. Nicht alles, was vor der Bergung aus dem Taucheranzug schwarz herausragte, musste zwangsläufig ein Tracker sein. Es könnte auch ein Funkgerät gewesen sein.
Als Timmy-Ersatz musste nunmehr ein Wal namens "Hartwin" herhalten, der sich aus Schottland in die Schelde verirrt hatte. Dieser für Timmy gehaltene Wal weist entsetzliche Hautschäden auf, und die Flossen stimmen nicht überein.
Andere meinten, Timmy sei direkt nach Freilassung tot gewesen und die Trackerdaten getürkt. Dr. Tönnies schickte von beiden Walen DNA-Proben in ein ausländisches Labor.
Es war von Anfang an klar, dass die Rettung von Timmy nur ein Versuch sein würde, ohne Garantie auf einen glücklichen Ausgang. Immerhin hat die Walkuh nach der eigenmächtigen Freilassung noch einige Tage in einer vielbefahrenen Schifffahrtsstraße überlebt und befand sich, wie sich herausstellte, bereits seit Ende Februar 2025! in der Ostsee, wo sie vor Polen gefunden wurde, damals eingewickelt in nicht weniger als sechs! Stellnetze.
Zukünftige Verfahren
Während sich einige Nutzer mokierten, dass man das Thema Wal doch endlich beenden sollte, stellen sich andere Fragen nach dem zukünftigen Vorgehen in solchen Fällen. Im Frühjahr befand sich ein Beluga-Wal in der Ostsee, und Buckelwal "Hartwin" (m/w/d) ist ebenfalls derzeit (Mitte/Ende Juni 2026) auf dem Weg dorthin.
Während Timmy in der Ostsee um ihr Leben kämpfte, wurden an verschiedenen Küsten des Bundesstaates Washington zwischen Anfang März und Mitte Juni 2026 dreißig tote Grauwale angespült. Der Großteil der Tiere, die man aufgrund ihres Verwesungszustands noch untersuchen konnte, wiesen Anzeichen von Abmagerung und Nahrungsmangel auf sowie Verletzungen durch Schiffskollisionen und Verhedderung in Fischereigeschirren. Um in ihrer Not Futter zu finden, wagen sich die Wale nah an Strände und in Flüsse hinein. Diese prekäre Lage der Meerestiere rückt bei vielen Menschen nunmehr stärker ins Bewusstsein, was wir Timmy zu verdanken haben, der direkt vor unseren Augen litt und starb.
Nach der Farce mit der Bürokratie und der ruppigen und unbefugten Entladung des Wals traut niemand Deutschland zu, noch einmal einen Wal effektiv aus der Gefahrenzone Ostsee oder Nordsee zu entfernen. Der Versuch mit Timmy war viel zu teuer und ist so nicht erneut durchführbar. Das bedeutet, wir stehen bei einem erneuten Walnotfall wieder genauso da wie bei Timmy: unvorbereitet. Und ich hätte so früh wie möglich Robert Marc Lehmann wieder ins Team geholt. Selbst wenn nicht persönlich vor Ort, hätte er doch wertvolle Ratschläge geben können.
Rettungen müssen - ohne "Experten" auf Facebook und in den Medien - fachlich durchdacht und effektiv ablaufen, wenn man so ein Unterfangen regelmäßig durchführen will. Stranded no more hat dazu ein Dokument verfasst:
Wir benötigen
- effektive, routinemäßige und rechtzeitig greifende Verfahrensweisen zur Beurteilung des Gesundheitszustands eines Wals
- medizinische Behandlungen auf See und Beobachtung
- Guiding aus der Gefahrenzone bzw. in eine Auffangstation,
- routinemäßiges Versehen mit einem Tracker
- Transport und Aufnahme in eine geeignete Auffangstation mit direkter Möglichkeit der Freilassung in die richtigen Gewässer
Um Rettungen durchzuführen, sollten vorgehalten werden:
- verantwortliche Teams in Anrainerländern
- hochseetaugliche, kosteneffektive Transportmittel. Ein Katamaran wäre hochseetauglich und schnell.
- Verfahrensweisen zum Ein- und Ausladen eines großen Wals. Möglicherweise könnte ein Luftkissen helfen. Lieber an einem Luftkissen ziehen als am Wal.
- Man könnte Schiffsbesatzungen weltweit im Umgang mit Walen und anderen Meeressäugern schulen, z.B. durch Videos, die bei Bedarf aufgerufen werden können, damit Crews wissen, was sie im Zweifelsfall machen und wen sie informieren können. Sie sind diejenigen, die am wahrscheinlichsten auf Wale und andere Meereslebewesen stoßen.
- Es sollte geeignete Auffangstationen mit dem richtigen Salzwassergehalt geben, die groß und tief genug sind, damit sich Wale vor ihrer Freilassung erholen können.
Generell müssen wir:
- Stellnetze nicht mehr verwenden oder zumindest wegräumen, wenn ein Wal in der Nähe ist
- das Abschneiden von Netzresten strengstens verbieten
- den Meeresboden nicht zerstören
- die Überfischung einstellen
- Krill für den Omega-3-Bedarf vermeiden. Es gibt Algenöl. Die Algen werden in geschlossenen Anlagen an Land kultiviert.
- Organistionen wie Ocean Cleanup unterstützen, die Müll und Netze aus dem Meer holen, Stranded No More, Mission Erde u.a.
- In der Bucht von San Francisco wird ein KI-gestütztes Erkennungssystem namens Whale Spotter eingesetzt, um Schiffskollisionen mit Walen zu vermeiden. Das ist mal ein sinnvoller Einsatz von KI!
Von einer Auffangstation hätte Timmy definitiv profitieren können. Er hätte sich im richtigen Salzwassergehalt noch erholen und auf seine Auswilderung einige Tage später vorbereitet werden können. Sein Ernährungszustand war gut, wie sich vor Anholt herausstellte. Seine Obduktion wurde viel zu spät durchgeführt, um noch aussagekräftig zu sein, obwohl Unterwasserfotos Verletzungen an der Fluke zeigten. Dänemark legte größeren Wert auf die Verwertung des Walkörpers. Einige von Timmys Knochen kommen ins Museum.
Die Zeitlinie der Ereignisse
- 3. März 2026: Der Buckelwal taucht erstmals im Hafen von Wismar auf und erzeugt großes Medieninteresse. Einsatzkräfte befreien ihn aus Stellnetzen, in denen er sich verfangen hatte. Am Abend schwimmt er zurück in die Ostsee.
- 14./15. März 2026: Erneute Sichtung bei Boltenhagen. Die Organisation Sea Shepherd versucht vergeblich, verbliebene Netzreste vollständig zu entfernen.
- 20. März 2026: Der Wal wird in der Lübecker Bucht bei Scharbeutz gesichtet. Sea Shepherd Deutschland schneidet mit Spezialwerkzeug weitere Leinen ab, doch Reste verbleiben am Tier.
- 23. März 2026 (1. Strandung): Der Wal strandet auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand (Niendorf) im flachen Wasser. Helfer, darunter erstmals der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann führen einen Rettungsversuch durch und lassen mit einem Bagger eine Fahrrinne graben. Die Medien nennen den Wal nun "Timmy". Die Öffentlichkeit gibt ihm die Alternativnamen "Buckli" oder "Hope".
- 27. März 2026: Durch steigendes Wasser und die gegrabene Rinne befreit sich der Wal eigenständig und schwimmt in die Lübecker Bucht.
- 28. März 2026 (2. Strandung): Nur einen Tag später strandet das Tier erneut auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch.
- 29. März 2026 (3. Strandung): In der Nacht kommt der Wal bei Hochwasser kurz frei, strandet aber nur wenige Meter weiter direkt wieder.
- 30. März 2026: Experten versuchen, den Wal mit Unterwasserlärm zu animieren. Er schwimmt am späten Abend los, bewegt sich jedoch tiefer in die Wismarbucht hinein statt in Richtung offenes Meer.
- 31. März 2026 (4. Strandung): Der Wal wird im Kirchsee vor der Insel Poel entdeckt und sitzt dort endgültig im Flachwasser fest. Seine Haut ist stark angegriffen und er zeigt deutliche Schwächesymptome.
- 1. April 2026: Die Behörden geben offiziell die Einstellung aller staatlichen Rettungsversuche bekannt, um das Tier vor zusätzlichem Stress zu schützen.
- 7. April 2026: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stellt ein wissenschaftliches Gutachten vor. Das Tier gilt als „schwerstkrank“. Die Experten empfehlen, den Wal in Ruhe sterben zu lassen; eine Einschläferung (Euthanasie) wird aufgrund logistischer und tiermedizinischer Hürden abgelehnt.
- Mitte April 2026: Die schwere Situation entwickelt sich zum Politikum und zieht Schaulustige an. Eine private Initiative um die Unternehmerin Karin Walter-Mommert und MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz formiert sich, um eine rettende Transportaktion zu finanzieren.
- 16. April 2026: Ein privater Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, Schleppern, Rohren und Schwimmpontons trifft im Hafen von Kirchdorf auf Poel ein, nachdem das Ministerium die Genehmigung erteilt hat.
- 17. bis 19. April 2026: Erste technische Versuche starten. Ein Bagger nähert sich auf einer schwimmenden Plattform. Der Wal reagiert mit heftigen Abwehrbewegungen. Taucher versuchen erfolglos, verbliebene Netzreste aus seinem Maul zu schneiden.
- 20. April 2026: Überraschende Wende: Durch gezieltes Freispülen mit Wasserstrahlen schwimmt Timmy kurzzeitig noch einmal aus eigener Kraft auf, bleibt aber Stunden später wieder entkräftet liegen.
- 28. April 2026: Der finale, groß angelegte Rettungsversuch per Transportbarge (Lastkahn) beginnt. Der Wal wird mithilfe von Gurten und Hebekissen auf das Spezialschiff gehoben, um den viertägigen Transport in Richtung Nordsee anzutreten. Zuvor wurde eine Untersuchung seines Mauls per Endoskopie durchgeführt. Netzreste können nicht mehr festgestellt werden.
- Ende April / Anfang Mai 2026: Ein Transport mit Booten und Barge bringt den Wal in die Nordsee, die stürmisch ist.
- 2. Mai 2026: Timmy wird entgegen aller Absprachen zwischen dem Transportunternehmen und der Rettungsinitiative in der Nordsee im Bereich des Skagerrak in einer vielbefahrenen Schifffahrtsstraße freigelassen. Die Finanzierer Mommert und Gunz distanzieren sich aus rechtlichen Gründen von dieser Freilassung einer streng geschützten Tierart. In den folgenden Tagen liefert der Tracker am Wal Pings zu Tauchtiefen und Auftauchen, aber keine Positionsdaten.
- 14. Mai 2026: Nachdem der Tracker keine Pings mehr lieferte, wurde der tote Wal vor der Küste der dänischen Insel Anholt (im Kattegat) entdeckt. Die Identifizierung als der bekannte Ostsee-Wal folgt kurze Zeit später. Es fällt auf, dass der Wal weiblich war und kein Bulle.
- 18. Mai 2026: Stranded No More erhält ein Video von einem in Fischernetzte eingewickelten Wal vor der Küste Polens vom 26. Februar 2025! Zu einem spätereren Zeitpunkt vergleicht Robert Mark Lehrmann die beiden Wale und kommt, ebenso wie Stranded No More, zu dem Schluss, dass es sich bei dem Wal um Timmy handelt.
- 19. bis 29. Mai 2026: Der Ort wird zur dänischen Touristenattraktion und es entwickelt sich aufgrund der Verwesung eine akute Explosionsgefahr.
- 30. Mai 2026: Die Bergung gelingt nach mehreren Versuchen. Der Kadaver wird mit einer Seilwinde und einem Unimog an den Strand von Anholt gezogen.
- ab 4. Juni 2026: Eine viel zu spät anberaumte sechsstündige Obduktion findet direkt am Strand von Anholt statt. Die eigentliche Todesursache bzw. Verletzungen duch die Entladung von der Barge können nicht mehr festgestellt werden. Im Anschluss wird der Kadaver fachgerecht zerlegt. Einige Knochen sind für Museen vorgesehen. Der Rest wird zu Biodiesel und Biomassebrennstoff für eine Zementfabrik verarbeitet.
Seiten von Interesse: Stranded No More und Robert Marc Lehmann waren Lichtblicke in diesem Dschungel an verbreiteten Falschinformationen. Herzlichen Dank für die fachliche Kompetenz und die Erläuterungen!
Stranded No More: https://www.facebook.com/strandednolonger?locale=de_DE
Zurückgelegten Strecke des Wals nach der Freilassung nach Tagen:
Streckenverlauf des Wals in die falsche Richtung:
Was die Obduktion feststellen kann und was nicht:
Timmy in der Ostsee Februar 2025:
Unterwasserbilder vom toten Timmy:
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Funktionsweise des Transmitters (Trackers):
YouTube: https://www.youtube.com/@MissionErde
Robert Marc Lehrman schildert seine Begegnung mit Timmy:
Februar 2025 vor Polen und Jetzt: Timmy https://www.youtube.com/watch?v=K3gOxdpGGTM
